Tocotronic - Schall und Wahn
“Schall und Wahn, ich bin euch Untertan” - ob Dirk von Lowtzow sich hier mit dem lyrischen Ich gleichsetzen würde? Immerhin, der Wahn ist dem Schall auf dem aktuellen Tocotronic-Album weitestgehend gewichen.
Ich gebe es gerne zu: Tocotronic haben mich in den letzten gut zehn Jahren selten begeistern können. Der musikalische und lyrische Bruch nach Es ist egal, aber (1997) war mir stets ein Dorn im Ohr. Mit Kapitulation, dem 2007er Werk, wurden sie aber immerhin wieder etwas hörbarer, auch wenn noch immer für meinen Geschmack für zu wenig Melodie geboten wurde.
Die Akkorde wurden scheinbar in den frühen Jahren verbraucht, daran ändert nun auch Schall und Wahn wenig. Immerhin aber wirken die Songs noch einmal gestrafft, und es gibt endlich wieder eine Nummer, die man nicht nur wegen ihrer Parolen im Kopf behält: “Macht es nicht selbst” bietet nur ein Minimum an Gegniedel, ruft die Wucht der alten Tage ins Gedächtnis zurück, ist natürlich auch clever und witzig.
Nicht oft gelingt dies auf Schall und Wahn. Die Midtempo-Rocker, die man schon allzu oft auf den letzten Platten hatte, dominieren noch immer. “Im Zweifel für den Zweifel” immerhin deutet an, welche Richtung Tocotronic doch auch gut stehen würde: akustischer, streichergetränkter Pop ohne Pomp. Vielleicht daran beim nächsten Mal weiterarbeiten.
Tocotronic, Schall und Wahn (Vertigo/ Universal), VÖ: 22.01.2010
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Tags:Indie, Tocotronic, Vertigo
